In China ist Geduld das Wichtigste
Ausland
China befindet sich immer noch in der Aufbruchphase. In einigen Regionen des 1,2 Milliarden-Landes scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, andere haben ihre Kapitalismuslektion längst gelernt und sind dabei, den Westen zu überholen. Generell gilt jedoch:
- In China sollten Sie auf jeden Fall viel Geduld mitbringen. Drängeln gilt nicht, und um die lebenswichtigen Kontakte herzustellen, braucht es halt Zeit.
- Geschäfte werden unter Freunden gemacht. Persönliche Empfehlungen sind der Schlüssel zu Ihrem Erfolg. Eine einmal geknüpfte Beziehung ist mehr Wert als ein erfolgreicher Abschluss.
- Verträge sind in China nichts Endgültiges. Machen Sie sich darauf gefasst, dass Ihre chinesischen Geschäftspartner gerne noch einmal nachverhandeln wollen.
- Gesichtsverlust ist für fast alle Chinesen das Schlimmste. Daher legen sie sich nur ungern fest und sagen selten nein. Setzen Sie niemanden unter Druck! Halten Sie für Ihren Partner stets ein Hintertürchen offen. Wichtig ist auch, genau hinzuhören und aus den Details auf allgemeine Befindlichkeiten zu schließen.
- Asiaten finden oft ungewöhnliche Lösungen, die für Westler nicht nachzuvollziehen sind. Chinesen denken ganzheitlicher und gewichten anders als Europäer oder Nordamerikaner. Planen Sie nicht alles bis ins letzte Detail durch. Respektieren Sie die asiatische Denkweise, und gewinnen Sie überraschenden Lösungen auch positive Aspekte ab.
Was ist das schon, ein Name?
Die erste Kontaktaufnahme zwischen zwei Menschen und gleichzeitig die erste Gelegenheit, einen guten oder einen schlechten Eindruck zu machen, bietet sich beim gegenseitigen Vorstellen. Bei uns kann man dabei nicht allzu viel falsch machen. Aber anderswo. Besonders in Asien, wo Namen häufig den Rang und den Familienstatus ausweisen, kann ein Fehler bei der Vorstellung eine glatte Beleidigung sein.
Begrüßen und Vorstellen
Aufgemerkt: Im Chinesischem steht (eigentlich) der Nachname zuerst, und dann erst folgt der Vorname
In Asien gilt das chinesische System, nachdem die Nachnamen zuerst gesetzt werden und dann die Vornamen, aber: nicht überall (nicht einmal unter Chinesen).
Die Taiwaner, von denen viele in Missionsschulen erzogen wurden, haben häufig einen christliche Vornamen, der vor alle anderen gesetzt wird - wie bei Tommy Ho Chin, der förmlich Herr Ho genannt wird, von seinen Freunden jedoch Tommy Ho. Vornamen erscheinen ganz offiziell oft nur als Initialen, dann ist Herr Y.Y. Lang einfach Y.Y., ganz egal wofür die Abkürzung steht.
In Korea wird es noch komplizierter: Welcher Name »Herr« vorgesetzt bekommt, hängt ausschließlich davon ab, ob der Angesprochene erster oder zweiter Sohn seines Vaters ist.
Und in Thailand, wo die Namen wie im chinesischen rückwärts laufen, wird das »Herr« dem Vornamen vorgesetzt. Für einen Thai ist es ebenso wichtig, mit seinem Vornamen angesprochen zu werden, wie es für den Japaner ein Gebot der Höflichkeit ist, den Familiennamen zu verwenden.
Wenn Sie zu einem Japaner schon eine sehr freundschaftliche Beziehung haben, ist es Ihnen erlaubt, das »Herr« wegfallen zu lassen und statt dessen ein »san« an seinen Familiennamen anzuhängen: aus Herr Ishikawa wird dann Ishikawa-san.
Und nun tragen Sie es mit Fassung, dass Sie dies alles wieder vergessen und missachten können: dann nämlich, wenn Geschäftsleute aus Fernost, die regelmäßig mit Westlern Geschäfte machen, die Stellung ihrer Namen verändern - um uns nicht zu verwirren!! Sie passen sich unseren Regeln an, stellen ihren Vornamen vor ihren Familiennamen - und wir stehen wieder mal im Fettnäpfchen. Im Zweifelsfall: Fragen Sie besser nach!
Ein paar nette Worte auf Chinesisch …
sind bestimmt gut gemeint - sollten Sie aber erst dann an Ihre Gastgeber richten, wenn Sie die Sprache sicher beherrschen. Eine schnell einstudierte kleine Ansprache in phonetischen Chinesisch kann leicht zum Fettnäpfchen werden: »Ich bedanke mich sehr für das Essen. Ich bin jetzt so satt, dass ich meinen Gürtel lockern muss«, wollte der Gast sagen. Tatsächlich kam dabei heraus: »Der Gurt von meinem Eselssattel ist locker.« Es hätte auch noch schlimmer kommen können.
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